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Tai Chi, Qi Gong, Zen - was ist das?



Tai Chi Chuan - Was ist das?


Tai Chi Chuan ist eine traditionelle chinesische Methode der physischen und mentalen Schulung und entstammt den Selbstverteidigungskünsten, die unter dem Oberbegriff Wu Shu bzw. Kung Fu zusammengefasst werden.

Die Bewegungsformen bzw. -abläufe des Tai Chi Chuans sind festgelegt und werden aus verschiedenen vorgegebenen Sequenzen wie eine Art Choreographie zusammengefügt. Sie werden von einer imaginären Vorstellungskraft geführt und von einer ruhigen, natürlichen, gleichmäßigen und tiefen Atmung begleitet. Da jeder der Bewegungsabläufe innerhalb der Form den Charakter einer oder mehrerer Anwendungstechniken aus dem Bereich der Selbstverteidigung hat, werden mit dem Wissen darüber und mit Vorstellungskraft die Bewegungen in der Form mit Leben und Ausdruck gefüllt. Trotz der existierenden Vielfalt der verschiedenen Stilrichtungen wird das Tai Chi Chuan im allgemeinen durch fließende, weiche und runde Bewegungen, durch eine rhythmische, sanfte und ruhige Art der Ausführung, durch die Harmonie der einzelnen Bewegungsabläufe zueinander sowie durch das reibungslose Zusammenspiel von Aktion und Ruhe charakterisiert. Tai Chi Chuan vermittelt den Übenden und dem Betrachter eine anmutige Ästhetik, die man körperlich und emotional spüren und genießen kann.

Auf den Übenden wirkt es zugleich entspannend, beruhigend, erheiternd und erfrischend. Nach Auffassung der traditionellen chinesischen Medizin entwickelt und erhält Tai Chi Chuan das Qi (die Lebenskraft) des Menschen und regt es zugleich an, in den Energiebahnen des Körpers, den Meridianen, zu zirkulieren und die Funktionsfähigkeit und Vitalität des Körpers zu erhalten. Durch die Einflussnahme auf das Qi werden hierbei die verschiedenen Funktionssysteme des Organismus reguliert, die Gesundheit, die geistige Klarheit und Konzentrationsfähigkeit und das psychische und körperliche Gleichgewicht des Übenden gefördert. Außerdem ermöglicht es ihm, die Ganzheit von Körper und Geist an sich selber zu erleben. Aus diesen Gründen wird Tai Chi Chuan häufig zum Zweck der Krankheitsvorbeugung und –behandlung sowie zur geistigen Schulung und Meditation eingesetzt.

Der Name Tai Chi Chuan setzt sich aus Tai Chi und Chuan zusammen. Tai Chi (das höchste Letzte) ist die „Mutter“ von Yin und Yang, gleich der Großen Leere und dem Tao (das Namenlose, Absolute, der Weg). Chuan bedeutet Hand oder Faust. Aus beiden ergibt sich sinngemäß: Durch die Hand oder Faust, also die Art der Übung in Einklang mit dem Tao kommen, bzw. das Einswerden mit dem Tao (Erleuchtung) erfahren.

Eine der am weitesten verbreiteten und geübten Stilrichtungen des Tai Chi Chuan ist der Yang-Stil. Die geschichtliche Entwicklung dieses Stils wurde im 19. Jahrhundert von dem Chinesen Yang Lu Chang begründet. In ihm sind die drei Hauptaspekte des Tai Chi Chuan Gesundheit, Selbstverteidigung und Meditation in harmonischer Art miteinander verbunden.







Qi Gong - Was ist das?


Qi Gong ist ein Geschenk, das Du Dir selbst machst. Es ist mehr als nur eine Bewegungsübung oder Entspannungsmethode. Qi Gong ist auch eine Therapieform und medizinische Behandlungsmethode und arbeitet stark mit der eigenen Vorstellungskraft.


Qi Gong [übersetzt: Arbeit (Gong) mit Energie (Qi)] ist eine sehr alte chinesische Methode zur Vorbeugung und Rehabilitation von Krankheiten. Mit Qi Gong bezeichnet man Übungsmethoden, durch die man bei kontinuierlichem Üben lernt, das Qi – die Energie - zu fühlen, es zu vermehren, es zu stärken und zu leiten. Eine Kernaussage des Laozi (5. Jh. V. Chr.) sagt: „Qi ist Materie, die man nicht sieht, wie auch Luft Materie ist, die man nicht sieht.“ Es ist als solches Energielieferant für alle Auf- und Abbauprozesse im lebenden Organismus. Ohne Qi kein Stoffwechsel, ohne Qi keine Ausscheidung. Die Anreicherung des Organismus mit Qi ist das grundlegende Ergebnis jeder Qi Gong-Methode. Die Meridiane (Energieleitbahnen) sind die Wege, auf denen sich das Qi bewegt. Sie befinden sich oberflächlich, aber auch im Inneren des gesamten Körpers und verbinden sämtliche Organe miteinander. Sind diese Wege in ihrer Funktion gestört, kann das Qi nicht mehr richtig geleitet werden und es kommt zu Krankheit. Qi Gong Übungen öffnen die Meridiane, kräftigen die Organe und regulieren den Energiefluß. Qi Gong Übungen beinhalten folgende Aspekte:
  1. Meditation
    Der Geist wird mit Hilfe einer einzigen Vorstellung gesammelt
  2. Atemtherapie
    Atemrhythmus und Atemmodus wirken heilsam auf den gesamten Organismus
  3. Körpergymnastik
    Geschmeidigkeit von Gelenken und Muskeln, harmonischer Wechsel von Spannung und Entspannung werden geübt
  4. Psychotherapie
    Körper, Geist und Seele sind eins. Qi Gong Übungen bringen diese in ein harmonisches Gleichgewicht
  5. Akupunktur
    Mit Qi Gong Übungen erlangt man Fähigkeiten, das Qi von Orten höherer Ansammlung an solche zu leiten, an denen eine vermehrte Tätigkeit des Qi dringend erforderlich ist.

Die ersten Übungen lassen sich mehrere tausend Jahre zurückführen. Zu dieser Zeit gab es weder die Möglichkeit des Buchdrucks noch die leichte Art des Reisens, die uns heute zur Verfügung steht. Man kann sich also vorstellen, dass der Erfahrungsaustausch, die Entwicklung und Weitergabe der Übungen ganz andere Wege nahmen, als wir sie kennen. Demzufolge gibt es viele verschiedene Wurzeln des Qi Gong, die sich parallel entwickelten und die wahrscheinlich erst zu Beginn der Qing-Dynastie (1644–1912n.Chr.) zusammengefasst wurden. Einige Wurzeln des Qi Gong lassen sich in daoistischen, aber auch buddhistischen Klöstern finden. Religion hatte im alten China eine viel stärkere Bedeutung als dies heute der Fall ist. Sie war eng verknüpft mit Politik und Wissenschaft.

Ein Bestreben in den daoistischen Klöstern war die Suche nach Unsterblichkeit. Dazu wurden eine Vielzahl an Übungen und Meditationstechniken entwickelt, die die Gesundheit fördern und letztendlich zum ewigen Leben führen sollen. Die Suche wurde von den meisten alten Kaisern sehr unterstützt und gefördert. An ihren Höfen wurde die Entwicklung von Gesundheitsübungen ebenfalls aktiv betrieben. Qi Gong und Medizin bildeten zu dieser Zeit eine untrennbare Einheit, die auf den Grundlagen der Theorie der fünf Elemente und dem Yin/Yang Konzept basieren. Aus dem medizinischen Buch Huang Di Nei Jing (Zhou-Dynastie 11.-7. Jh. V. Chr.) stammt der Satz: „Wenn man Krankheit heilen will, muß man zu ihrem Wesen vordringen.“ So ist denn auch das Qi Gong eine Ganzheitsmethode, auf die sich die traditionelle chinesische Medizin zurückbesinnt. Die chinesische Medizin erfuhr erst später eine Aufteilung in verschiedene Fächer wie Akupunktur, Tunia-Massage, Kräuter- und Ernährungstherapie.

Da zu Maos Zeiten Traditionen und Religion nicht gebilligt wurden, mussten die religiösen Aspekte verleugnet werden. Mit der Behauptung, dass mit Qi Gong Atem- und Gesundheitsbewegungen bezeichnet würden, die rein medizinischem Wissen entsprängen, konnte es weiter praktiziert werden. Schon lange ist Qi Gong für alle Menschen offen, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, und Religion. Qi Gong bietet keinen Religionsersatz, der manchmal von Übenden gesucht wird, sondern transportiert eine Lebensphilosophie und basiert auf der chinesischen Erfahrungsmedizin.

Medizinisch gesehen, ist Qi Gong mehr Selbsthilfe als Behandlung durch einen Therapeuten. Das kontinuierliche Üben von speziellen Bewegungs- und Atemtechniken verbessert den Kreislauf, entspannt Körper und Geist und fördert die Konzentration. Ein Bereich des Qi Gong setzt beispielsweise Atemtechniken ein, die in ihrer Wirkung der westlichen Sauerstofftherapie ähneln. Sie werden besonders erfolgreich bei Tinitus und Krebspatienten angewandt.

Führt man eine Bewegungsanalyse der verschiedenen Qi Gong Übungen durch, erkennt man, dass der gesamte Bewegungsapparat sanft beansprucht wird. Alle Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen werden in das Spiel von An- und Entspannung mit einbezogen. Die Koordination, die Innervation und die Eigenwahrnehmungsfähigkeit des gesamten Körpers werden geschult und deutlich verbessert.

Neben dem positiven Einfluß auf Herz-Kreislauf-, Atmung- und Stoffwechsel-funktionen ist bei regelmäßig Übenden auch eine positive Dynamisierung der psychischen Grundstimmung zu erkennen.

Qi Gong wird aufgeteilt in Übungen der Bewegung (stehend, sitzend oder gehend) und Übungen der Ruhe. Qi Gong beinhaltet viele Atemtechniken und setzt eine eigene Vorstellungs- und Willenskraft ein. Dies ist alles für Zuschauer nicht sichtbar, unterscheidet Qi Gong aber von rein körperlicher Betätigung. Es ist auch eine Methode, Körper, Geist und Seele völlig zu entspannen und so einen Einklang mit der Natur herzustellen. Sind Körper und Geist ganz entspannt, können Energie und Blut leicht fließen. Die Abwehrkräfte und das Immunsystem werden gestärkt. Der ungehinderte Kreislauf von Energie und Blut steht in der Traditionellen Chinesischen Medizin für Gesundheit.

Qi Gong lässt sich schwer beschreiben, da der Begriff erst später geschaffen wurde und verschiedene alte und neue Übungen umfasst, die wiederum unterschiedliche Aspekte der Medizin, der Philosophie, der Kultur und des Sports vereinen. Ist die Erklärung der Entstehung und des Begriffs schwer, so ist doch das Üben und Erlernen umso einfacher.

Wie gerade die kleinen Glücksmomente des Alltags das Leben so schön machen, so sind es auch die kleinen Bewegungen des Qi Gong, die eine so große positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben können.

Qi Gong zu üben muß nicht bedeuten, sich zu bewegen. Auch wenn Du Dich beim Arbeitsamt, an der Bushaltestelle oder im Supermarkt in eine lange Schlange eingereiht hast, kannst Du Dich auf Deine Energie im mittleren Dantien (Energiezentrum) konzentrieren und Dir vor Deinem inneren Auge die Schönheit einer Landschaft oder auch eines positiven Ereignisses vorstellen. Wenn dann ein Lächeln in Deinem Gesicht erscheint, hast Du die Welt bereichert. Auch das bedeutet Qi Gong zu üben. Probiere einmal spielerisch, es in Deinen Alltag zu integrieren. Vielleicht findet Qi Gong so eine schöne Regelmäßigkeit in Deinem Leben.

Text: Anmerkungen von Zheng Yi, Dr. med. W. Brand (Oberarzt der Unfallchirurgie und Leiter des Reha Zentrums Kassel), Frau Dr. Josephine Zöller und D. Berendes (Heilpraktiker) zu Qi Gong

Nachträgliche Anmerkungen aus der Praxis zum Üben:


Egal welches Übungssystem, ob Qi Gong, Tai Chi Chuan, Yoga oder eines der vielen anderen erlernt wird, wichtig ist es, dass man es praktiziert und die Übungen regelmäßig und dauerhaft in seinen Tagesablauf integriert. Nur so können sich die beschriebenen positiven Effekte im Laufe der Zeit entwickeln. Dies erfordert Bewusstsein und Wertschätzung für sich selbst und die praktizierte Übung sowie ein hohes Maß an Selbstdisziplin, welches sich mit der Zeit des Übens einstellt. Auch ist ein weiterer wichtiger Aspekt, den es besonders zu Beginn des Erlernens zu beachten gilt, sich nicht selbst unter Leistungsdruck zu setzen und sich einem anfänglich falschen Perfektionismus auszusetzen. Nur mit einer inneren Leichtigkeit lässt sich das Interesse an den Übungen dauerhaft erhalten und vertiefen.

Es ist nicht wichtig, besonders viele Übungen und Übungssysteme zu erlernen. Eine viel größere Bedeutung hat es, die bereits erlernten Übungen zu verinnerlichen, die Abläufe klar, sauber ohne Ablenkung und in vollem Bewusstsein durchzuführen sowie Bewegung, Atmung und geistige Vorstellungskraft miteinander zu verbinden und die Bewegung mit Leben zu erfüllen.





Zen - Was ist das?


Zen hat seine Quelle in der Erfahrung von Buddha Shakyamuni, der vor zweitausendfünfhundert Jahren die Erweckung verwirklichte, als er in der Zazen-Haltung saß. Diese Übung enthält das Wesen seiner Lehre, deren Botschaft eine universelle Reichweite hat.

Zen hat die Zivilisation bereichert, durch die es gegangen ist. Heutzutage kommt es mit seiner ganzen Frische in den Westen, wobei es die rein östlichen Aspekte hinter sich gelassen hat. Es ermöglicht den direkten Zugang zur Kenntnis von sich selbst, jenseits von Systemen, Werten, Nationen und Rassen. Wenn man es manchmal auch als Religion oder Philosophie einschätzt, so basiert Zen weder auf einem Dogma noch auf irgendeiner Ideologie. Es ist die lebendige Erfahrung und schöpferische Kraft vor jeder Formalisierung. Zen besteht wesentlich aus der Übung von Zazen („Sitz-Zen“).

Es schöpft seine Kraft aus dieser Übung und prägt mit seinem Einfluß alle Situationen des Alltags. Das zu erkennen und es in seiner persönlichen Existenz in die Tat umzusetzen, ist wahrhaft eine echte Revolution. Es bedeutet, seine Wurzeln wiederzufinden und in die Wirklichkeit des Lebens einzudringen.

Durch Zazen-Übung kann man verstehen, dass alle Gedanken nichts weiter sind als leere Formen, die kommen und gehen, entblößt von jeder wirklichen Substanz. So erlebt man, dass ein intuitives, ursprüngliches Bewusstsein existiert, radikal verschieden vom gewohnten Bewusstsein des Ich. (Wenn der Geist bei nichts verweilt, erscheint der wahre Geist. Diamant –Sutra)

Die Übung des Zen ist Rückbesinnung auf das Wesentliche, die Erfahrung der Einheit vor jeder Dualität. Es ist nicht möglich, das rationell zu erklären, denn die Sprache führt zu einer Trennung von der Wirklichkeit, die das Zen selbst ist.


Das anfängliche Ziel im Zazen besteht darin, den Zustand der absoluten Stille, des sogenannten Samadhi zu erlangen. Hierbei sind Körper und Geist „ausgefallen“. Keinerlei Gedanken regen sich, der Geist ist leer und wir sind doch in einem Zustand der äußersten Wachheit. In dieser Stille oder Leere liegt die Quelle jeglicher Art von Tätigkeit verborgen. Im Zustand des Samhadi hört die Tätigkeit des Bewusstseins auf und wir nehmen Zeit, Raum und die Kette von Ursache und Wirkung nicht mehr wahr. Sowohl der Mensch als auch die Umstände sind bloß.

Diese Leere ist der lauteste Zustand unseres Daseins. Sie ist ein Zustand, in dem der innere geistige Druck völlig aufgelöst ist. Wenn in unserem Geist ein Gedanke auftaucht, dann geht er notwendigerweise mit innerem Druck einher. Jeden Augenblick denken wir und deshalb wird jeden Augenblick ein innerer Druck erzeugt, der unsere Ausgewogenheit beeinträchtigt.

Im Zen nun üben wir uns darin, jeden Augenblick wieder diese Ausgewogenheit zu finden.

Was süß ist, ist süß; was sauer ist, ist sauer! Das Süße ist absolut süß, das Saure ist absolut sauer. Um das reine Dasein kann man nur wissen, indem man es unmittelbar und vollends spürt, nicht indem man indirekt darüber kluge Gedanken anstellt. Das ist die fundamentale Wahrheit des Zen.


Zen studieren bedeutet sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt....





Layout © J. Ludwig, Februar 2004