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Heilpraktiker D. Berendes

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Gedanken zur Neurodermitis und anderen allergischen Erkrankungen



Die Krankheiten des allergischen Formenkreises, wie: Neurodermitis, Asthma bronchiale und Rhinitis atopica, nehmen in allen Industrieländern ständig zu. Diesen sogenannten atopischen Erkrankungen (Atopie = allergische Überempfindlichkeitsreaktion, v.a. basierend auf genetischer Disposition) stehen oft ratlose Therapeuten gegenüber, die sich in der Mehrzahl nicht anders zu helfen wissen, als Antihistaminika, Immunsuppressiva, Antibiotika usw. zu verordnen, mit der Konsequenz der kurzfristigen Verbesserung, aber der nachfolgenden Symptomverstärkung und der weiteren Erhöhung der Dosierung, mit allen Folgen für den Patienten.


Neurodermitis: rein entzündliche Erkrankung der äußeren Haut ?
Auch heute noch wird von vielen Therapeuten das Krankheitsbild der Neurodermitis als eine rein entzündliche Erkrankung der äußeren Haut angesehen, auf dem vermuteten Hintergrund einer genetisch determinierten Anlage und unbestimmter Allergie(n).
Aus diesem irrtümlichen Grund versuchen viele Therapeuten immer noch – nach dem monokausalen Denkschema von: „Kopfschmerz ist gleich Kopfschmerztablette“ – das Krankheitsbild der Neurodermitis mit einer breiten Palette unterschiedlichst zusammengesetzter Hautpflegemittel und Hautschutzmittel in den Griff zu bekommen. Mit wenig Erfolg, wie die Erfahrung zeigt.
Allerdings sind der Hautschutz und die Hautpflege bei dem an Neurodermitis erkrankten Patienten zugegebenermaßen wichtig, aber er ist alles andere als eine Therapie der Ursache(n) dieser Erkrankung!

Cortisontherapie: alles andere als harmlos !
Am Ende bleibt dann doch wieder nur der hilflose Griff zur Salbe mit dem Wirkstoff Cortison, welches abgesehen von seinen allgemeinen und spezifischen Nebenwirkungen, die ohnehin trockene Haut des Atopikers zu allem Überfluß noch mehr austrocknet. Dadurch kann die oft aufgequollene und schuppige Haut rissig werden, was nun ein Eindringen von Haut- und Fremdbakterien sowie Pilzen in die mikroskopisch kleinen Wunden zulässt. Somit kann die atopische Entzündung und der quälende Juckreiz der Haut nun auf dem Wege der bakteriellen Entzündung weiter unterhalten werden, was nun wieder eine antibiotische Therapie nach sich zieht. Erwachsene und viele Mütter Neurodermitis kranker Kinder mussten bei einer Cortisontherapie folgende Beobachtungen machen:
Hat sich aufgrund der Cortisontherapie die Haut beruhigt und die Entzündung sowie der Juckreiz sind abgeklungen, so können die Patienten oft erleben, dass einige Tage nach dem Absetzen der Cortisonsalben die Entzündung wieder neu beginnt. Der Grund ist klar: Cortison therapiert ja nicht die Ursache(n) der Neurodermitis, sondern es blockiert bzw. unterdrückt die „Entzündungsarbeit“ des Immunsystems in der äußeren Haut, solange man es anwendet; daher der Name Immunsuppressivum.

Das Immunsystem tut „nur“ brav seine Pflicht
In der Tat kann es im entzündlichen Schub notwendig sein, das Immunsystem des Neurodermitikers kurzfristig zu dämpfen. Denn das Immunsystem kämpft im Neurodermitis-Schub auf aller höchstem Niveau, was den Erwachsenen, aber meist noch mehr, die kleinen Patienten schwer belastet, insbesondere aufgrund des Juckreizes und der Schmerzen. Seit vielen Jahren wird nun über die Ursachen der Neurodermitis spekuliert. Häufig wird die Meinung vertreten, das Immunsystem des Neurodermitikers sei „fehlgesteuert oder wild geworden“, andere sprechen von einer Art „Entgleisung“, wieder andere vermuten „autoimmunale Prozesse“.

Neurodermitis und „Bauchweh“?
Es ist eine Tatsache, dass Neurodermitis kranke Kinder häufig über Bauchweh klagen, was von Behandlern und Eltern gern auf den Bereich der Psyche geschoben wird, zumal das Blutbild des erkrankten Kindes meist normal ist und keinen!!! Hinweis auf Störungen oder Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (Magen-/Darm-Trakt) des Kindes gibt.
Bei erwachsenen Atopikern ist (bei gründlicher Anamnese!) häufig zu hören, dass ein Neurodermitis-Schub auf der äußeren Haut oft ausgelöst oder begleitet wird durch Blähungen, Krämpfe, Gluckern im Bauch, Unwohlsein, Wechsel von Durchfällen und Verstopfung usw., obwohl auch hier das Blutbild, ja sogar die häufig durchgeführten Colonskopien (Darmspiegelung) keinen erklärenden Befund zeigen.
Somit wird der Patient oft zeitversetzt auf verschiedene Krankheitsbilder von verschiedenen Fachärzten behandelt, ohne dass hier Zusammenhänge gesehen oder vermutet werden.

Das Schleimhautabwehrsystem MALT
Die mögliche Erklärung zu diesem – zugegebener Weise etwas undurchsichtigen Zusammenhängen – findet sich im Aufbau und in der Arbeitsweise unseres Immunsystems selbst.
Es ist eine entwicklungsgeschichtliche Tatsache unseres Immunsystems, dass alle Schleimhäute unseres Körpers immunologisch miteinander vernetzt sind und dass sie dadurch miteinander kommunizieren können, d.h. als Beispiel:
Die Schleimhäute der Blase, des Darms, des Magens, der Lunge und des Hals-Nasen-Rachen-Raums usw. stehen untereinander im engsten Kontakt (.. jeder ist über jeden informiert) und die Immunzellen können sich schnell von einer Ebene auf die andere bewegen, bzw. übertragen. Die Gesamtheit dieses besonderen Schleimhautabwehrsystems wird MALT (Mucosa associated lymphoid tissue) genannt. Wichtig: Aber auch Störungen oder Krankheiten können sich aufgrund dieser Vernetzungen sehr schnell von einer Schleimhaut auf die andere übertragen bzw. übergreifen.

Das darmeigene Immunsystem GALT
Gleichzeitig muß unser Darmsystem zusätzlich immunologisch geschützt werden, denn mit der Nahrung gelangen unzählige krankmachende Keime, Pilze, Viren, Fremd- und Schadstoffe in unseren Organismus, die im Inneren des Darms an der Grenze der Darmschleimhaut von speziellen Immunzellen abgetestet und vernichtet werden müssen, um so die Gesundheit zu erhalten.
Dieses hochkomplizierte darmeigene Abwehrsystem mit den PEYER’schen Plaques und seinen Lymphozyten, Makrophagen, M-Zellen, T- und B-Lymphophyten, aber insbesondere mit seinen hochaktiven „Abfangjägern“, den sIgA (sekretorisches Immunglobulin A), wird in der Summe als GALT (Gat associated lymphoid tissue) bezeichnet.

Gesunde Darmflora und Darmschleimhaut unterstützen das Immunsystem
Auch die ca. 4-5000 verschiedenen Keimspezies unserer Darmflora helfen dem GALT bei seinen Abwehraufgaben. Sie lassen durch ihre Stoffwechselprodukte, wie Milchsäure und andere Säurederivate, durch Bakteriozide und weitere abwehrende Stoffwechselprodukte ein Ansiedeln von durch die Nahrung aufgenommener Fremdkeime, Pilze, Viren, Parasiten nicht zu (Kolonisationsresistenz). Dieser biologische Schutz funktioniert aber nur, solange die Darmflora nicht gestört ist und sich in ihrem ökologischen Gleichgewicht befindet. Auch die Darmschleimhaut selbst dient mit ihrer ca. 3-500m² großen Oberfläche, den zahllosen Darmzotten (Mikrovilli) und dem auf ihr haftenden Schleim mit den hochaktiven sIgA-Abwehrzellen als weiteres vorgeschaltetes Immun-Abwehrsystem.
Zusammenfassend: Somit bildet das gesamte Lebenssystem einer ökologisch gesunden Darmflora die gesunde Darmschleimhaut mit ihren zahllosen Mikrovilli, das GALT und MALT sowie unsere äußere Haut als mechanische Schutzbarriere und als größtes Ausscheidungsorgan eine immunologische Einheit.

Der Weg in die Krankheit
Es liegt im Wesen der atopischen Erkrankung des Neurodermitikers, dass seine äußere Haut trocken, wenig gefettet, ja oft porös ist, was auch für die inneren Schleimhäute angenommen werden kann. Das hat weitreichende Folgen:
Inzwischen ist es wissenschaftlich abgesichert, dass die Darmschleimhaut des Neurodermitikers eine höhere Permeabilität (Durchlässigkeit) aufweist, als beim Nicht-Neurodermitiker. Das ermöglicht den unkontrollierten Übertritt von Nahrungsmittelbestandteilen, Fremdstoffen, bakteriellen und anderen Toxinen usw. in das Innere der Schleimhaut. Hier werden sie nun von den Immunzellen des GALT erst einmal abgewehrt, bei häufigem Kontakt in das Immungedächtnis abspeichert und dann als Allergene in Form einer allergisch-entzündlichen Reaktion(!) von sensiblen Antikörpern heftig bekämpft (... kleine Patienten klagen hier über unbestimmtes „Bauchweh“, Erwachsene oft über vielfache gastrointestinale Störungen!). So zeigen Laboruntersuchungen eindeutig, dass sich unter Neurodermitikern ein hoher Prozentsatz an Personen mit einer manifesten Nahrungsmittelallergie befindet. Labor: IgE- bzw. IgG4-Titer oft massiv erhöht.
Hinzu kommt: Mikrobiologische Laboruntersuchungen der Darmflora zeigen immer wieder, dass Atopiker häufig (oft auch unbemerkt!) an einer dysbiotisch gestörten Darmflora leiden, d.h. die gesunde Ökologie ist verändert oder gar zusammengebrochen (... typisch nach zu häufiger Antibiotika-Gabe, Cortison-Therapie, langfristiger Streß-Belastung). Das Labor zeigt dann einen typischen Abfall der Darmschutzbakterien der Milchsäuregruppen (Laktobazillen und Bifidobakterien) und dafür einen Anstieg krankmachender Keime, wie E. Coli, Clostridien u.a. sowie vor allem Candida-Pilze, die nun ihrerseits mit ihren toxischen Stoffwechselprodukten weitere allergisch-entzündliche Reaktionen auf der Darmschleimhaut provozieren. Die gravierenden Folgen: Die Zotten der Schleimhaut werden entzündlich verändert, sie atrophieren. Sie zeigen verringerte Resorptions- und Stoffwechselleistung. Schreitet der Entzündungsprozess fort, so entsteht ein so genanntes Leaky-Gut-Syndrom (der löchrige Darm), was GALT und MALT noch höher belastet.
Insgesamt gesehen führen:
  1. die Veränderungen und Störungen der gesunden Ökologie der Darmfora,
  2. die allergisch-entzündlich belastete und veränderte Darmschleimhaut und
  3. die maskierten Allergien oder entzündlichen Unverträglichkeitsreaktionen von Nahrungsmitteln
zu einer ständig steigenden Belastung des GALT mit seinen sIgA und anderer Immunzellen. Laboruntersuchungen zeigen in dieser Situation einen viel zu niedrigen sIgA-Wert, der die enorme Belastung des darmeigenen Immunsystems kennzeichnet. Gleichzeitig ist eine so eingeschränkte Darmschleimhaut für die Resorption von Nahrungsmittelmolekülen und den dringend notwendigen Vitaminen, insbesondere der für den Neurodermitiker so wichtigen A- und B-Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen nur noch eingeschränkt funktionstüchtig, was das allgemeine Krankheitsgefühl des Patienten noch verschärft. Der Patient klagt nun über (massive) gastrointestinale Störungen, die aber durch Blutlabor und Colonskopie nicht feststellbar sind! Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Abgeschlagenheit als Folge des Vitamin- und Mineralstoffmangels sind weitere mögliche Konsequenzen.

Systemische Erkrankungen
Wichtig: Da GALT und MALT in engster Vernetzung, in Kommunikation aller Schleimhäute, Immunzellen, der Hormon- und Botenstoffe zusammenarbeiten, können sich nun die Probleme der Darmschleimhaut entweder auf die Lungenschleimhaut (Krankheitsbild: allergisches Asthma, chronische Bronchitis), auf die HNO-Schleimhaut (Krankheitsbild: Rhinitis atopica/Heuschnupfen) oder auf das größte Ableitungs- und Ausscheidungsorgan unseres Organismus, auf die äußere Haut übertragen (Krankheitsbild Neurodermitis, allergisches Ekzem auch Psoriasis u.a.).
Somit ist das Krankheitsbild der Neurodermitis eine intensive SYSTEMISCH ERKRANKUNG und keine Erkrankung der äußeren Haut. Dadurch wird erklärbar, warum man der Neurodermitis nicht mit Hautpflegemitteln bei kommt.
Die wahre Ursache dieser allergisch-entzündlichen System-Erkrankung ist aber die gestörte Ökologie des Darms, ganz gleich an welcher Stelle des Organismus sich die Störung/Krankheit symptomatisch manifestiert.

Auslöser für den Beginn der Neurodermitis
Die Erfahrung zeigt: Häufig sind die Auslöser für den Beginn der Neurodermitis (erste Hinweise: Milchschorf):
  • das ungenügende Stillen,
  • die viel zu frühe Gabe von industrieller Frühnahrung mit den für das Kleinkind noch unverträglichen Getreide-, Kuhmilch-, Hühnerei- und Fremdeiweißen,
  • die viel zu häufigen Antibiotika-Therapien, insbesondere in der Kindheit,
  • womit sofort der direkte Bezug zu der ursächlichen Störung im Darm hergestellt wäre.
Somit wird für den aufmerksamen Beobachter und Therapeuten, der von Patienten bei gründlicher Anamnese immer wieder geschilderte Zusammenhang zwischen seinen atopischen Problemen und gastrointestinalen Störungen erklärbar. Erklärt sie der Patient nicht, so sind die Störungen trotzdem meist im Labor zu finden!
Das Verständnis des Therapeuten für die SYSTEMISCHEN Zusammenhänge: die vernetzte Arbeitsweise von MALT und GALT und die Störungstrias des Darms: Darmflora, Darmschleimhaut und darmeigenes Immunsystem gibt dem Therapeuten die Richtung der Therapie der Ursachen von Neurodermitis vor.

Neurodermitis und Psyche
Daß unser Immunsystem von unserer Psyche beeinflusst wird, ist hinlänglich bekannt. Da wir Menschen unser Leben durch Denken und Fühlen bewusst und unbewusst steuern, so können also auch unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen, also Alles, was man allgemein unter dem Begriff der Psyche versteht, in das erkrankte System des Körpers mit eingreifen und es sogar dominant mit beeinflussen, insbesondere bei Ängsten, Problemen, Streit, Ärger, Hektik, Stress, Friedlosigkeit usw. .
So berichten an Neurodermitis, sowie auch an Psoriasis (Schuppenflechte) erkrankte Patienten gleichermaßen, dass sie bei Lebens- und Partnerproblemen, Streit, Ärger, Hektik und Streß relativ bald unter verstärkten Hautproblemen, wie Juckreiz, Rötung usw. leiden.
Beobachtungen zeigen, dass eine seit Jahren nicht mehr aktive Neurodermitis durch einen massiven Lebensprozeß, wie z.B. Trennung, Scheidung, Arbeitsverlust, Mobbing, Trauer usw. hochgradig und schnell wieder ausgelöst wurde.
Da Neurodermitis-Patienten in der Regel sensible und leistungsorientierte Menschen sind, empfiehlt es sich immer, den Bereich der Psyche bei der Behandlung der Erkrankten mit abzuklären, bzw. diesen in die Behandlung mit einzubeziehen.


Layout © J. Ludwig, Februar 2004