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Heilpraktiker D. Berendes

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Vitamine der B-Gruppe



Der individuelle sowie volkswirtschaftliche Nutzen der B-Vitamine kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Der Einsatz von B-Vitaminen kann mithelfen, die persönliche Lebensqualität zu verbessern, Krankheiten zu lindern und volkswirtschaftlich gesehen hohe Krankheitsfolgen zu vermeiden.

Unspezifische Symptome wie Schwäche, Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebsarmut oder Appetitlosigkeit sollten immer auch an einen B-Vitaminmangel denken lassen. Treten dagegen schwere Krankheiten, z.B. Anämie, degenerative Demenz, Depressionen, Arteriosklerose oder periphere Neuropathien auf, besteht ein schwerer Vitaminmangel in der Regel bereits über einen längeren Zeitraum. Dann ist es auch allerhöchste Zeit für eine fachgerechte Therapie. Dabei liegen die in der orthomolekularen Medizin zur Therapie empfohlenen Vitamindosen deutlich über den Ernährungsempfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung).

Eine wichtige Rolle für Vitaminmangelkrankheiten spielt das Alter: Schätzungen gehen dahin, daß 60-80% der Menschen über 65 Jahren aufgrund veränderter Ernährungsgewohnheiten, Malabsorption und altersbedingter Multimorbidität eine deutliche Unterversorgung mit B-Vitaminen aufweisen. Viele Altersbeschwerden müssen aber nicht sein: eine rechtzeitige Vitaminsubstitution fördert die Vitalität und hilft Altersbeschwerden vorzubeugen.

Vitamin B1 – Thiamin

Vitamin B1-Mangelsymptome:

  • Bei alkoholtoxischer Polyneuropathie: Reflexschwäche, gestörtes Vibrationsempfinden, Sensibilitätsstörungen, Burning Feet-Syndrom
  • Neurologie: periphere Polyneuropathie und Neuralgien
  • Psyche: Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Vergeßlichkeit, Verwirrtheit

Ursachen eines Vitamin B1-Mangels:

  • Erhöhter Bedarf: hohes Lebensalter, Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Fieber, Leistungssport und schwere körperliche Arbeit, Streß
  • Lebensmittel: Konsum von Alkohol, Betelnüssen, starkem Tee, Kaffee, einfachen Kohlehydraten, rohem Fisch
  • Erkrankungen: Hämodialyse, HIV, Hyperthyreose, Krebs, Lebererkrankungen, Malaria, Malabsorption, Magnesiummangel
  • Medikamente: Antazida, Antiepileptika, Digoxin, Neuroleptika, 5-Fluorouracil, Flurosemid, orale Kontrazeptiva u.a.

Vitamin B6 – Pyridoxin

Vitamin B6-Mangelsymptome:

  • Neurologie: periphere Neuropathie, epileptiforme Krämpfe
  • Psyche: Depressionen, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit
  • Muskulatur: Atrophie und Schwäche der Skelettmuskulatur
  • Immunsystem: Immundepression
  • Haut u. Schleimhäute: Dermatitis, Haarausfall, Glossitis, Stomatitis
  • Blut: Hyperhomocysteinämie, Anämie

Ursachen eines Vitamin B6-Mangels:

  • Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, hohes Lebensalter, Kraftsport
  • Lebensweise: Alkoholismus, Rauchen, proteinreiche Ernährung
  • Erkrankungen: AIDS, Asthma, Diabetes mellitus, Hämodialyse, Krebs, Mallabsorption, Strahlenschäden, Hyperthyreose
  • Medikamente: Antiepileptika, ASS, Aza-thioprin, Barbiturate, Cycloserin, Isoni-azid, Kortikosteoride, L-Dopa, orale Kontrazeptiva u.a.

Folsäure

Folsäure-Mangelsymptome:

  • Allgemeinsymptome: Blässe, Schwäche
  • Neurologie: Polyneuropathien
  • Psyche: Vergeßlichkeit, depressive Verstimmung, Reizbarkeit
  • Blut: Anämie, Granulo-, Lympho-, Thrombozytopenie, verringerte Antikörperbildung, Hyperhomocysteinämie
  • Haut: Dermatitis, Haarausfall
  • Schleimhäute: Glossitis, Stomatitis, Schleimhautatrophie im Gastrointestinal– und Urogenitaltrakt, Neuralrohrdefekte des Neugeborenen

Ursachen eines Folsäuremangels:

  • Erhöhter Bedarf: hohes Lebensalter, Eisenmangel, Frühgeborene, Stillzeit, Schwangerschaft, Zinkmangel
  • Lebensmittel: Alkoholkonsum
  • Ernährung: hohe Folsäureverluste bei der Lebensmittellagerung und—verarbeitung
  • Erkrankungen: entzündliche Darm-erkrankungen, Dermatitis herpetiformis, AIDS, Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Krebs, Lebererkrankungen, Malaria
  • Medikamente: Antiepileptika, ASS, Colestyramin, Diuretika, orale Kontrazeptiva, Metformin, Sulfalazin u.a.
  • Hämodialyse: Mangel an Zink, Vitamin C, Vitamin B12

Vitamin B12 – Cobalamin

Vitamin B12-Mangelsymptome:

  • Perniziöse Anämie mit Blässe, Durchfall, Ikterus, Glossitis, Gewichtsverlust, Stomatitis, neurologischen Ausfallerscheinungen
  • Psyche: Gedächtnis-, Konzentrationsstörungen, Demenz, Psychosen
  • Blut: gestörte Erythropoese, Leuko-, Thrombopenie
  • Neurologie: Polyneuropathien, funikuläre Myelose
  • Augen: Optikusatrophie

Ursachen eines Vitamin B12-Mangels:

  • Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Eisenmangel
  • Lebensweise: Alkoholkonsum, Rauchen
  • Resorptionsstörung: hohes Lebensalter, Intrinsic Faktor-Mangel bei chron. atrophischer Gastritis od. Z.n. Gastrektomie, Heliobacter-Infektion, M. Crohn, Sprue
  • Erkrankungen: Hashimoto-Thyreoiditis, Zollinger-Ellison-Syndrom, AIDS, Asthma, Diabetes mellitus, Hämodialyse, Krebs, Malabsorption, Hyperthyreose, Niereninsuffiziens, Lebererkrankungen
  • Medikamente: Antacida, H2-Blocker, Protonenpumpenhemmer, Colchizin, u.a.


Vitamin B-Mangel im Alter

Unser Nahrungsmittelangebot ist reichhaltig, in Deutschland braucht niemand zu hungern. Umso erschreckender sind Ergebnisse diverser Studien, nach denen bis zu zwei Drittel der älteren Menschen mangelernährt sind.
Eine Mangelernährung im höheren Lebensalter beruht oft auf einer Verkettung mehrerer Umstände, die in der Summe dazu führen, daß Senioren über Jahre hinweg zu wenig Nährstoffe, vor allem Eiweiß, Vitamine und Mineralien zu sich nehmen. Die Ernährung alter Menschen ist oft einseitig: Leere Kalorien in Form von Weißbrot, Milchbrei oder Pudding werden häufig einer ballaststoffreichen Kost mit viel frischem Obst und Gemüse vorgezogen. Nicht zu unterschätzen sind auch psychische Erkrankungen wie Depression oder Altersverwirrtheit. Oft wissen die Patienten, die in der Regel auch keinen richtigen Hunger oder Durst verspüren, nicht einmal mehr, wann sie das letzte Mal gegessen haben. Kiefer– oder Zahnprobleme beeinträchtigen die Zerkleinerung der Nahrung erheblich und eine Atrophie der Schleimhäute mit vermindertem Speichelfluß erschwert den Schluckakt.
Bei gut einem Drittel der älteren Menschen findet sich eine degenerative Gastritis, oft kombiniert mit einer Heliobacter-Pylori-Infektion. Die Hypacidität führt durch einen pathologischen bakteriellen Überwuchs des Magen-Darm-Trakts
zur Resorptionsstörung von Eisen, Folsäure, Kalzium, Vitamin K, und vor allem Vitamin B12. Diese Bakterien wandeln vorhandenes Vitamin B12 in sog. Vitamin B12-Analoge um, welche keine Aktivität mehr aufweisen.

Folgen des Vitamin B-Mangels im Alter
Kräfteverlust und Müdigkeit, Appetitverlust, Konzentrationsstörungen, nachlassendes Gedächtnis, Verwirrtheit, depressive Störungen, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, verzögerte Wundheilung, Haut– u. Schleimhautveränderungen, verminderte Infektabwehr, gestörte Blutbildung.
Dabei ist es recht einfach und kostengünstig, Beschwerden älterer Menschen durch rechtzeitige Diagnosestellung und Vitamin-Therapie zu bessern, bevor es zu fortgeschrittenen Erkrankungen kommt.


Layout © J. Ludwig, Februar 2004